Die THG-Quote, oder Treibhausgasminderungsquote, ist ein zentrales Instrument zur Reduktion von CO2-Emissionen im Verkehrssektor. Sie verpflichtet Mineralölunternehmen, ihre Treibhausgasemissionen zu senken oder entsprechende Zertifikate zu kaufen. Auf diese Weise wird Geld von der Mineralölindustrie in die E-Mobilität umverteilt. Doch wie entsteht der Preis für die THG-Quote und warum schwankt er so stark?
Die Mechanismen hinter dem Preis
Der Preis der THG-Quote wird primär durch das Prinzip von Angebot und Nachfrage bestimmt. Verschiedene Faktoren beeinflussen das Marktgeschehen und führen zu Preisschwankungen:
- Angebot und Nachfrage: Wenn mehr Zertifikate benötigt werden, als vorhanden sind, steigt der Preis. Umgekehrt sinkt er, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt.
- Politische Entscheidungen und gesetzliche Vorgaben: Veränderungen in den gesetzlichen Rahmenbedingungen können direkte Auswirkungen auf die Marktpreise haben. Zum Beispiel kann eine Erhöhung der Quote zu einer erhöhten Nachfrage und damit zu steigenden Preisen führen.
- Markteinflüsse und wirtschaftliche Faktoren: Allgemeine wirtschaftliche Trends und die Preise für Biokraftstoffe oder erneuerbare Energien spielen ebenfalls eine Rolle.
- Internationale Abkommen und Ereignisse: Globale Ereignisse wie der Ukraine-Krieg haben direkte Auswirkungen auf die Energieversorgung und damit auch auf die THG-Quote. So führte der Krieg 2022 zu einem erhöhten Einsatz von Kohlekraftwerken in Deutschland, was den Emissionsfaktor für Strom erhöhte.
THG-Quote 2025/2026: Preiserholung nach dem Tiefpunkt
Die Prämien für E-Auto-Halter steigen wieder deutlich an. Nach einem historischen Tiefstand von nur 50-100 Euro in den Jahren 2023/2024 erreichen THG-Quoten-Prämien zum Jahresstart 2026 wieder 140 bis 220 Euro.
Warum der Markt 2023/2024 einbrach
Der drastische Preisverfall hatte mehrere miteinander verknüpfte Ursachen. Das Zusammenspiel aus fragwürdigen Importen, regulatorischen Schlupflöchern und einem vorübergehend schmutzigeren Strommix brachte den THG-Quotenmarkt aus dem Gleichgewicht.
Eine China-Biokraftstoff-Flut überschwemmte den deutschen Markt ab Mitte 2023 regelrecht. Jährlich gelangten rund 2 Millionen Tonnen UCO-Biodiesel und weitere Mengen HVO aus China nach Europa – viele davon mit dem Verdacht auf Betrug. Chemisch lässt sich im fertigen Produkt nicht unterscheiden, ob der Ausgangsstoff wirklich Altspeiseöl (UCO) oder billiges Palmöl war. Das Aktionsbündnis „Klimabetrug stoppen“ dokumentierte, dass die gesetzliche Mindestquote für fortschrittliche Biokraftstoffe 2022 und 2023 um das 20- bis 30-Fache übertroffen wurde.
Die sogenannte Doppelanrechnung verstärkte das Problem massiv. Mineralölkonzerne konnten „fortschrittliche“ Biokraftstoffe gleich zweifach auf ihre Quotenverpflichtung anrechnen. Die Generalzolldirektion meldete für 2022 eine 930-prozentige Übererfüllung der Mindestquote – genug, um die Anforderungen für 2023, 2024 und große Teile von 2025 bereits abzudecken.
Der verschlechterte Strommix durch den Ukraine-Krieg reduzierte zusätzlich den Wert jedes E-Auto-Zertifikats. Die verstärkte Nutzung von Kohlekraftwerken erhöhte den Emissionsfaktor für Ladestrom, wodurch die zertifizierte CO₂-Einsparung pro E-Auto von 862 kg (2022) auf nur noch 652 kg (2024) sank.
Die Regulatorische Wende 2025/2026
Mit gezielten politischen Eingriffen hat der Gesetzgeber den THG-Quotenmarkt gestärkt. Drei zentrale Maßnahmen treiben die aktuelle Preiserholung:
1. Aussetzung der Quotenübertragung (November 2024)
Der Kabinettsbeschluss vom 13. November 2024 war der Wendepunkt. Die Änderung der 38. BImSchV untersagt die Übertragung von THG-Quoten für die Jahre 2025 und 2026 auf Folgejahre. Damit können Mineralölkonzerne die 8,1 Millionen Tonnen CO₂ an Übererfüllungen aus 2023 nicht mehr nutzen, um ihre aktuellen Verpflichtungen zu erfüllen. Das Marktgleichgewicht verschob sich schlagartig – die Preise stiegen unmittelbar um 10-15 Prozent.
2. Ende der Doppelanrechnung (ab 2026)
Ab dem 1. Januar 2026 werden fortschrittliche Biokraftstoffe nicht mehr doppelt auf die THG-Quote angerechnet. Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) begrüßte diese Maßnahme ausdrücklich, da sie „einen wesentlichen Anreiz für betrügerisches Handeln“ beseitigt. Mineralölkonzerne müssen nun mehr echte CO₂-Reduktionen einkaufen.
3. Steigende Quotenvorgaben
Die gesetzliche THG-Minderungsquote steigt 2026 auf 12,1 Prozent (gegenüber 10,6% in 2025) und erreicht bis 2030 stolze 25,1 Prozent. Die RED III-Umsetzung verlängert das System sogar bis 2040 mit einer Zielquote von 53-59 Prozent.
Aktuelle Marktpreise und Prämien 2026
Der THG-Quotenmarkt zeigt zum Jahresstart 2026 eine klare Aufwärtstendenz. Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:
| Kennzahl | Wert (Januar 2026) |
|---|---|
| Marktpreis pro Tonne CO₂ (nicht THG-Prämie) | 250-320 € |
| THG-Minderungsquote | 12,1 % |
| CO₂-Einsparung pro E-Auto | 746 kg |
| Strafzahlung bei Nichterfüllung | 600 €/t |
Die Anbieterprämien für E-Auto-Halter rangieren aktuell zwischen 140 und 220 Euro bei Garantieauszahlung.
Im Vergleich zu den mageren Jahren 2024/2025, als E-Auto-Halter oft nur 50-100 Euro erhielten, bedeutet dies eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Einnahmen.
Weitere preistreibende Faktoren
Anti-Dumping-Zölle auf chinesischen Biodiesel reduzieren den Zustrom fragwürdiger Biokraftstoffe. Die EU führte 2024 vorläufige Zölle ein.
Der verbesserte deutsche Strommix mit mittlerweile 55 Prozent erneuerbaren Energien erhöht den Wert jedes E-Auto-Zertifikats. Der CO₂-Ausstoß pro Kilowattstunde sank von 433 g (2022) auf 363 g (2024), was zu einer höheren zertifizierten CO₂-Einsparung führt.
Auch das Auslaufen der UER-Projekte ab Mai 2024 entzog dem Markt rund 2 Millionen Tonnen CO₂ an alternativen Erfüllungsoptionen. Bei 68 von 69 UER-Projekten in China bestand ohnehin der Verdacht auf Betrug.
Ausblick und mittelfristige Entwicklung
Die strukturellen Marktveränderungen deuten auf eine anhaltend positive Preisentwicklung hin. Mit der RED III-Umsetzung werden ab 2027 verpflichtende Vor-Ort-Kontrollen bei Biokraftstoff-Produzenten eingeführt – erneuerbare Kraftstoffe sind dann nur noch anrechenbar, wenn staatliche Prüfer Zugang zu den Produktionsstätten haben. China verweigert bislang solche Kontrollen.
Experten prognostizieren, dass sich die CO₂-Preise zwischen 2025 und 2030 mindestens verdoppeln, wahrscheinlich verdreifachen werden. Die gesetzliche Quote steigt schrittweise von aktuell 12,1 Prozent auf 25,1 Prozent im Jahr 2030.
Allerdings mahnen Marktbeobachter zur Vorsicht: „Prognosen über 300 oder gar mehr als 400 Euro halten wir für eher unrealistisch“, warnen führende THG-Experten. Der erste Kursanstieg Anfang 2026 war nach wenigen Tagen beendet, und sollte sich die RED III-Umsetzung verzögern, könnten die Preise temporär wieder fallen.
Fazit
Der THG-Quotenmarkt hat seine schwerste Krise überwunden. Die Kombination aus Aussetzung der Quotenübertragung, Ende der Doppelanrechnung, steigenden Quotenvorgaben und verschärften Kontrollen gegen Biokraftstoff-Betrug hat die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. E-Auto-Halter profitieren 2026 von Prämien zwischen 140 und 220 Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Tiefstständen der Vorjahre. Die langfristige Perspektive bleibt positiv, auch wenn kurzfristige Schwankungen weiterhin möglich sind.